Reisebericht: Organisiertes Chaos in Hanoi

Mit dem Flieger von Luang Prabang gelangen wir mit einiger Verspätung und im Regen die Hauptstadt Hanois. Timo ist schon seit dem Abend zuvor krankheitsbedingt außer Gefecht gesetzt. Deshalb mache ich mich am nächsten Morgen allein auf den Weg in das Zentrum der Altstadt. An dieser Stelle: absolute Empfehlung, in der Altstadt zu wohnen, so zentral wie möglich. Denn auf dem Weg dahin habe ich mich buchstäblich in Lebensgefahr begeben. Man nehme den Bangkoker Verkehr, ergänze ihn um das doppelte an Mopeds und füge ein Hupkonzert sonderngleichen hinzu. Ich fühle mich innerhalb weniger Minuten so gestresst, dass ich mein Urteil über die Stadt schnell – wahrscheinlich zu schnell – fälle: Hanoi ist mir vieeel zu chaotisch und laut. Dennoch verstehe ich, was so viele in ihr sehen.

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Die Altstadt

Die Altstadt hat ihren ganz eigenen Charme mit den verwinkelten Gassen, durch die glücklicherweise nicht so viele Mopeds hindurch passen und den shabby chic eingerichteten Cafés, die zur Straße hin offen sind. Abends kann man sich mit dem Nationalbier Bia Hoi für umgerechnet 20 Cent auf einen der bunten Plastikhocker setzen und zusammen mit Locals und anderen Reisenden die trubelige Geschehen auf den Straßen beobachten.

Hinweis: Am Wochenende werden Teile der Altstadt gesperrt und zur großen Walking Street. Von Freitag 19 Uhr bis Sonntag 24 Uhr gehören die Straßen dann ausnahmsweise mal den Fußgängern (und den paar Mopeds, die sich irgendwie durch die Absprerrung gemogelt haben – ganz ohne Gehupe geht es nunmal nicht).

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Französisches Viertel

Auf der Suche nach einem großen Supermarkt verschlägt es mich in das ehemalge Kolonialviertel, das an die Altsstadt angrenzt. Mit den breiten Straßen, den prunkvollen Außenfassaden und seinem Luxus-Shoppingcenter hat es zugegebenermaßen nicht mehr  allzuviel mit Vietnam zutun. Ich, als bekennende Frankreich-Liebhaberin aber fühle mich in den etwas ruhigeren Straßen ganz wohl. Wer etwas mehr Budget hat, findet hier sicherlich ein schönes Hotel im bezaubernden französischen Baustil.

Der Hoan-Kiem See

Eine Oase zwischen Altstadt und Französischem Viertel bildet der große See, an dessen Ufern zahlreiche Parkbänke zum Durchatmen einladen. In seiner Mitte liegt der  Jadeberg-Tempel, der bei Dunkelheit von allen Seiten in den unterschiedlichsten Farben beleuchtet wird. Die Straßen rund um den See gehören außerdem zur Walking Street, sodass man hier am Wochenende fast vergessen kann, inmitten welchen Trubels man sich eigentlich befindet.

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Der Literaturtempel

Als Literaturstudentin steht der Literatultempel natürlich ganz oben auf meiner Bucketlist. Wir wohnen praktischerweise direkt gegenüber (was allerdings der einzige Vorteil an dieser Straße ist, denn der Verkehrslärm bewegt sich ausschließlich zwischen 2 und 5 Uhr nachts im erträglichen Rahmen). Der Besucheranstrum auf den Tempel ist enorm, sodass man entweder direkt zur Öffnung um 8 Uhr da sein sollte oder, so wie ich,  zwischen 16 und 18 Uhr – wochentags selbstverständlich. 1076 wurde hier im Gedenken an den chinesischen Philosophen Konfuzius (Khổng Tử) die Nationale Akademie Hanois gegründet und ist damit die älteste Universtität des Landes. Heute gilt er als eine der bedeutensten historischen und kulturellen Bauwerke Vietnams.

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Ich tu mich schwer, ein wertendes Frazit über Hanoi zu treffen, dafür hab ich zuwenig gesehen. Im Dunkeln habe ich mich nicht allein auf die Straße getraut, deshalb fällt das Nachtleben weg. Generell glaube ich, dass mein leichtes Unwohlsein, allein in dieser lauten, fremden Stadt unterwegs zu sein, zu meinem negativen Bild beigetragen hat. Man muss sich bei einem Besuch in Hanoi bewusst sein, dass diese Stadt unvergleichlich chaotisch ist und dass einem das Gehupe den letzten Nerv rauben wird. Aber sie bietet gleichzeitig so viele tolle, einmalige Orte und einen so einzigartigen Charme, dass man sich sofort in sie verlieben kann. Es hilft wohl nur, es selbst herauszufinden.

 

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