Welcome to THE HAUS.

Welcome to THE HAUS!“ – So werdet ihr in dem derzeit wahrscheinlich bekanntesten Kunstprojekt Berlins begrüßt. Mittlerweile haben bestimmt die meisten von euch von dem Haus gehört. Es ist ein ehemaliges Bankgebäude in der Nähe vom Ku’Damm, das diesen Juni abgerissen werden soll um Platz für neuen Wohnraum zu schaffen. An sich ja eigentlich nichts Ungewöhnliches in einer Stadt wie Berlin. Besonders ist in diesem Fall allerdings, dass das Immobilienunternehmen Pandion AG als Besitzer des Gebäudes Interesse an einer Zwischennutzung der Räumlichkeiten gezeigt hat, die den Zeitgeist der Stadt aufgreifen soll. Entstanden ist daraus eine Kollaboration von über 165 internationalen Künstlern, die gemeinsam jeden Raum des zum Untergang geweihten Gebäudes zu einem ganz besonderen Kunstwerk gemacht haben.

Die ganze Stadt spricht über das Haus – und das zu Recht!

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Fast 2,5 Stunden dauert es an einem Mittwochmittag, bis wir unseren Weg vom Ende der Schlange bis ganz nach vorne zum Einlass machen. Es dürfen nicht mehr als 200 Besucher gleichzeitig in dem Haus sein, weshalb es zu beachtlichen Wartezeiten kommt. Und dies ist schon mein zweiter Versuch. Einige Tage zuvor war ich schon einmal hier, musste da aber leider regenbedingt aufgeben. Nun stehe ich wieder in dieser Schlange, die mich wegen der vielen Leute eher an die Menschenmengen vor den bekannten Berliner Clubs erinnert. Der einzige Unterschied: Bei THE HAUS ist das Publikum wirklich bunt gemischt. Schulklassen, junge Familien mit kleinen Kindern, Studenten, Erwachsene und sogar Senioren interessieren sich für diese ungewöhnliche Pop-Up Galerie.

Endlich sind wir drinnen und werden dort von Matthias Gephart in Empfang genommen, der uns durch das Kunstprojekt führen soll. Eigentlich bin ich ja kein großer Fan von Führungen, da ich meistens das Gefühl habe, Kunstausstellungen ohne Ablenkung und in meinem eigenen Tempo mehr zu genießen. In diesem Fall lohnt es sich aber definitiv. Eigentlich muss man sich dafür vorher anmelden, aber wir haben Glück und zu unserem Einlasszeitpunkt beginnt gerade eine geplante Führung. Da wir ganz nett gefragt haben, dürfen wir uns auch einfach anschließen. Grundsätzlich ist der Besuch von THE HAUS kostenlos, beziehungsweise auf Spendenbasis. Eine Führung aber kostet 10 Euro, dauert ca. zwei Stunden und ist es absolut wert! Das Interessante dabei ist nämlich, dass die Künstler selbst die Führungen machen.

Matthias Gephart führt uns durch die fünf Etagen des Kunstprojekts und lässt uns an seinem „Insider-Wissen“ teilhaben. Er erklärt verschiedene Begriffe und Techniken der Graffiti-Szene und erzählt auch Geschichten zu den Kunstwerken in den einzelnen Räumen. Da die Künstler dort alle parallel gearbeitet haben, wurde sich untereinander ausgetauscht und über die Inspirationen und Hintergründe ihrer Werke gesprochen. Gephart erzählt uns auf total coole und lässige Art interessante Anekdoten über das Zusammenarbeiten in diesem außergewöhnlichen Haus.

Zufällig treffen wir Felix Rodewaldt auf dem Flur des zweiten Stocks, den dieser komplett mit einer Tape Art-Installation beklebt hat. Rodewaldt erklärt uns von seinem Vorgehen und wie die Idee für diesen Flur entstanden ist. Anscheinend hat er innerhalb des Hauses den Spitznamen „Der Vampir“ bekommen, weil er lieber nachts alleine und in aller Ruhe gearbeitet hat, während alle anderen schliefen.

Man nimmt die Räume wirklich ganz anders wahr, wenn man die Inspiration dahinter kennt. Anne Bengard, zum Beispiel, hat einen Raum auf der dritten Etage bemalt und erzählt uns, wie sie dort einen ihrer immer wiederkehrenden Albträume visualisiert hat. Sie erklärt, dass mit dem Abriss des Hauses auch ihr Kunstwerk und demnach Ihre Angst verschwinden wird. Ein faszinierender Gedanke, oder? Das zeigt doch wie therapeutisch und wohltuend für Körper und Seele Kunst sein kann.

Ich würde euch am liebsten zu allen Räumen etwas erzählen, aber das ist schon alleine deshalb nicht möglich, weil zwei Stunden lange nicht ausreichen um alles zu sehen, geschweige denn wirklich aufzunehmen. Alle Künstler haben sich unglaublich viele Gedanken gemacht und unbeschreibliche Werke erschaffen. Durch den „Konkurrenzkampf“ innerhalb des Gebäudes haben sie sich untereinander immer weiter gepusht und Werke erschaffen, die so auf der Straße nicht realisierbar gewesen wären. In vielen Räumen wird die Kunst vom Zweidimensionalen ins Plastische geholt. Matthias Gephardt erklärt, um seine Künstler-Kollegen zu übertrumpfen reicht es hier nicht mehr aus, nur die Wände als Leinwand zu benutzen. Die  Decke und der Boden werden auch mit in das Werk eingebunden und häufig werden zusätzlich noch Skulpturen oder Installationen integriert.

Kein Raum ist wie der Nächste, jeder hat seinen ganz persönlichen Stil, aber bei allen ist eins ganz deutlich: Hier haben sich echte Profis wirklich selbst übertroffen. Es tut fast schon etwas weh daran zu denken, dass alles bald dem Erdboden gleich gemacht wird.

Da in dem Haus ein striktes Fotoverbot herrscht, kann ich euch leider keine Bilder zeigen. Aber seht euch die Verlinkungen zu den verschiedenen Künstlern an und ihr bekommt ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wie das Gebäude von Innen aussieht. Bis zum 31. Mai habt ihr noch die Chance es selbst zu erleben, bevor es für immer verschwinden wird. Falls ihr noch nicht dort wart, kann ich euch nur dringend dazu raten. THE HAUS ist wirklich ein einmaliges Erlebnis.

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